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"Tagesmutter zu sein - Es gibt für mich keinen schöneren Beruf"

[Artikel vom 05.08.2022]

Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Patrizia Kremer Tagesmutter. 2023 geht sie nun in den wohlverdienten Ruhestand. Gemeinsam mit dem Fachdienst Kindertagesbetreuung blickt sie im Interview auf 37 Jahre in der Kindertagespflege zurück. Sie zieht eine positive Bilanz – und würde sich immer wieder für den Beruf entscheiden.

Patrizia Kremer holt einige Erinnerungsstücke hervor: Weihnachtskarten, Dankesschreiben, Fotos, Zeichnungen, gebastelte Kunstwerke und Geschenke ihrer Tageskinder und deren Familien. Sie hat alles aufbewahrt und ist erkennbar stolz, erzählt, dass sie diese immer wieder und auch gerne anschaut, mittlerweile einen ganzen Karton voll hat. Zu manchen Familien pflegt sie auch heute noch Kontakt. Trifft immer wieder ihre ehemaligen Tageskinder, die teilweise bereits eigene Kinder haben. Als Tagesmutter hat Patrizia Kremer eine wichtige Rolle im Leben ihrer Tageskinder eingenommen. Im Interview erzählt sie von den Anfängen und ihren vielen positiven Erfahrungen seither.

Frau Kremer, wir sind bei Ihnen Zuhause. Wie viele Kinder betreuen sie hier momentan?
Patrizia Kremer: Aktuell betreue ich 4 Tageskinder. Ab September sind es dann wieder 5. Ich habe aber auch jetzt noch eine Warteliste und könnte noch viel mehr Plätze vergeben. Das war aber schon immer so.

Seit Sie begonnen haben, Kinder bei sich zuhause zu betreuen, hat sich vieles in der Berufswelt und auch in der Kinderbetreuung verändert. Doch was hat Sie anfangs dazu bewogen, Tagesmutter zu werden?
Als meine älteste Tochter gerade ein Jahr alt war, wollte ich noch Zeit mit ihr verbringen und nicht gleich in meinen eigentlichen Beruf zurückkehren. Eine Freundin hat mich damals auf die Kindertagespflege aufmerksam gemacht. Ich habe mich dann beim Jugendamt angemeldet, weil es eine gute Möglichkeit war, Familie und Beruf zu verbinden.

Was mussten Sie damals tun, um Kindertagespflegeperson zu werden? Gab es schon so etwas wie den Qualifizierungskurs heute?
Den gab es 1985 tatsächlich noch nicht. Später gab es zunächst freiwillige Qualifizierungskurse, ehe sie schließlich verpflichtend wurden. Da habe ich mich ehrlich gesagt zuerst ein wenig geärgert.

Warum?
Ich dachte, dass ich schon so lange Tagesmutter bin und was ich da noch lernen soll. Und ich habe ja auch parallel Kinder betreut. Es war eine Herausforderung das zu planen. Eines meiner Tageskinder, ein drei Monate altes Baby, habe ich dann immer mit in den Kurs genommen. Anders wäre es nicht gegangen. Aber am Ende war ich wirklich froh, teilgenommen zu haben. Ich habe viel dazugelernt, bestehendes Wissen gefestigt und konnte Kontakte zu anderen Kindertagespflegepersonen knüpfen. Das war im späteren Betreuungsalltag immer hilfreich.

Gibt es einen Moment, auf den Sie besonders gern zurückblicken?
Es gibt eigentlich keinen einzelnen, besonders herausstechenden Moment – ich denke gerne an die Zeit mit allen Kinder zurück. Manche Kinder habe ich zum Beispiel vom ersten bis zum zehnten Lebensjahr begleitet, was ja eine sehr lange Zeit ist. Sie wissen gar nicht, was man da in 37 Jahren alles mitmacht, da könnte ich ein Buch schreiben (lacht)!

Sie haben bereits erzählt, dass Ihre Plätze immer gut belegt sind. Was ist das Geheimnis Ihrer guten Auslastung?
Das weiß ich tatsächlich nicht, das wurde ich schon oft gefragt. Aber ich gebe mich so wie ich bin, verstelle mich nicht und bei mir sind alle herzlich willkommen. Sicher war irgendwann auch meine langjährige Erfahrung hilfreich. Aber ich denke, auch meine Zuverlässigkeit und dass ich stets versuche, flexibel auf die Bedürfnisse der Familien einzugehen, kommt an und spricht sich herum. Außerdem liebe ich meinen Beruf sehr. Ich achte dabei darauf, den Alltag zu strukturieren und das Alltägliche bewusst zu begleiten.

Wie zum Beispiel?
Wir befüllen gemeinsam die Waschmaschine, bereiten gemeinsam das Essen vor und decken den Tisch. Ich beziehe die Kinder in den Alltag ein und begleite das auch sprachlich. Meine Tageskinder wissen genau, was im Tagesablauf ansteht und „Regeln“ werden ganz selbstverständlich von den älteren an die jüngeren Kinder weitergegeben.

Welche Voraussetzungen sollte man Ihrer Meinung nach noch mitbringen, wenn man Tagesmutter oder -vater werden möchte?
Neben der Freude an der Arbeit mit kleinen Kindern sollte man flexibel, vertrauensvoll und bereit sein, Berufs- und Familienleben eng miteinander zu verbinden. Außerdem braucht es die Bereitschaft, sich weiterzubilden, zu organisieren und den Tagesablauf zu strukturieren.

Das klingt nach einem wirklich tollen und spannenden Beruf! Was würden Sie Menschen mit auf den Weg geben, die mit dem Gedanken spielen, Kindertagespflegeperson zu werden?
Wer es liebt, Kinder bei ihrer Entwicklung und der Entdeckung der Welt zu begleiten und sich wünscht (und auch bereit dazu ist), Familie und Beruf eng miteinander zu verknüpfen, für den ist die Kindertagespflege eine tolle Aufgabe. Ich persönlich würde es immer wieder machen – es gibt für mich keinen schöneren Beruf.


Info: Kostenfreier Qualifizierungskurs für Kindertagespflegepersonen
Am Montag, 10. Oktober 2022 startet im Landkreis Schwäbisch Hall der erste Qualifizierungskurs für Kindertagespflegepersonen nach dem neuen, Baden-Württemberg-weiten Qualifizierungskonzept. Der Kurs ist kostenfrei. Interessierte können sich hierzu am Freitag, 12. August 2022, ab 18 Uhr (Anmeldeschluss: 11. August 2022), und Montag, 29. August 2022, ab 9 Uhr (Anmeldeschluss: 24. August), im Haller Landratsamt (Münzstraße 1) informieren. Eine Anmeldung zum Kurs ist ebenfalls bereits möglich.

Kontakt zur Anmeldung:
Fachdienst Kindertagesbetreuung
Landratsamt Schwäbisch Hall
Telefon: 0791 755 7976
E-Mail: kindertagespflege(@)LRASHA.de
www.kindertagespflege-sha.de/


Info:
Bereits seit 2011 qualifiziert der Fachdienst Kindertagesbetreuung des Landratsamtes Schwäbisch Hall Kindertagespflegepersonen. Um die Professionalität innerhalb der Kindertagespflege noch weiter zu steigern, erfolgt die Grund-Qualifizierung von Pflegepersonen künftig in 300 statt wie bisher in 160 Unterrichtseinheiten (UE). Das neue Qualifizierungskonzept basiert auf dem vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) entwickelten Qualifizierungshandbuch (QHB) und wird einheitlich in ganz Baden-Württemberg umgesetzt. Zentral ist dabei die kompetenzorientierte Methode, die selbstgesteuertes Lernen, ko-konstruktive Lernprozesse und Selbstreflexion in den Mittelpunkt stellt.

Der Kurs beginnt mit der tätigkeitsvorbereitenden Qualifizierung, die 50 Unterrichtsein-heiten umfasst. Anschließend folgt ein tätigkeitsbegleitender Kurs über 250 UE.
Pädagogische Fachkräfte (nach § 7 Abs. 2 KiTaG) können die Qualifizierung aber bereits nach 50 UE vollständig abschließen und direkt als Kindertagespflegeperson tätig werden.

In der Kindertagespflege können maximal 5 Tageskinder gleichzeitig betreut werden, 10 Kinder können insgesamt angemeldet sein und sich mehrere Plätze teilen. Sowohl während der gesamten Qualifizierung als auch während der späteren Tätigkeit werden interessierte Personen von den Fachberaterinnen des Fachdienstes Kindertagesbetreuung umfassend beraten und begleitet.

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Tagesmutter mit Leib und Seele: Patrizia Kremer aus Schwäbisch Hall betreut bereits seit 1985 Kinder im eigenen Haushalt.
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Hinweis

Die Inhalte werden vom Landratsamt Schwäbisch Hall gepflegt. Bei Fragen oder Anregungen bitte an das Landratsamt Schwäbisch Hall wenden.

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