Landkreis Schwäbisch Hall

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Corona-Krise birgt Suchtgefahren

[Artikel vom 21.07.2020]

Während in den letzten Jahren in den bundesweiten Statistiken ein Rückgang der Todesfälle aufgrund von Drogen verzeichnet wurde, ist seit 2019 leider wieder ein Anstieg zu beobachten. Diese Entwicklung zeigt sich in diesem Jahr tendenziell auch schon im Landkreis Schwäbisch Hall. Auffallend ist, dass die bisherigen Todesfälle zumindest teilweise auf eine Überdosierung mit Medikamenten zurückzuführen sind, die nicht ärztlich verordnet waren. „Manche Jugendliche experimentieren mit allem, was der Medikamentenschrank hergibt. Ihnen ist die Gefährlichkeit dieser Substanzen dabei nicht bewusst“, erklären Mitarbeitende der Jugend- Sucht- Beratungsstelle des Landkreises Schwäbisch Hall.
Gemeint sind hier beispielsweise Schmerzmittel (Opioide wie Tilidin, Codein, Fentanyl, Oxycodon oder Tramadol) und auch Beruhigungsmittel (Benzodiazepine wie Valium, Diazepam oder Tavor).
Werden solche Medikamente entgegen ärztlicher Verordnungen als Rauschmittel verwendet, dann weisen sie ein hohes Abhängigkeitspotenzial auf. Bei häufigerem Konsum werden sehr schnell immer höhere Dosen nötig, um – je nach Substanz – eine euphorisierende oder eine entspannende Wirkung zu entfalten. Ähnlich wie illegale Drogen sind Medikamente auch auf dem Schwarzmarkt erhältlich, der sich heute überwiegend im Internet abspielt.
Erste Konsumerfahrungen im Bereich der legalen oder illegalen Drogen finden häufig mit Alkohol und Cannabis statt. Die Erlebnisse damit sind in der Regel zunächst mit Spaß und guter Laune verbunden. Nachfolgend wächst oftmals das Interesse an anderen Substanzen, deren Wirkungsweisen in einschlägigen Internet- Foren attraktiv angepriesen werden. Es kann für Jugendliche eine Dynamik entstehen, die insbesondere in der mit Langeweile und Perspektivlosigkeit einhergehenden Corona- Krise vielfach in den nahezu täglichen Konsum von Suchtmitteln mündet. „Diagnostisch gesehen liegen hier schon im frühen Alter Abhängigkeitserkrankungen vor, deren Behandlung ohne fachliche Hilfe nur selten gelingt“, erklärt Dr. Hans-Jörg Döring, Facharzt für Psychiatrie in Weinsberg und Honorar- Arzt der Jugend- Sucht- Beratungsstelle des Landkreises Schwäbisch Hall. „Wichtig ist hier die Zusammenarbeit von Hausärztlichen Praxen, Jugendhilfe, Bewährungshilfe und Suchthilfe.“
„Vorbeugen ist besser als Heilen“ zitiert Landrat Gerhard Bauer ein altes Sprichwort und macht darauf aufmerksam, dass der Landkreis Schwäbisch Hall deswegen überdurchschnittlich viele personelle und auch finanzielle Ressourcen in die Prävention investiert. Dabei geht es um Aufklärung und um die Darstellung von Zusammenhängen, die diese problematische Entwicklung begünstigen und nicht zuletzt darum, kommunale und freie Jugendarbeit darin zu unterstützen, Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen attraktive und ihren Bedürfnissen nach Abenteuer, Grenzerfahrung und Sinn entsprechende Angebote zu präsentieren. Unter www.praeventionsbausteine.de sind konkrete Präventionsmaßnahmen beispielsweise für Schulen und Ausbildungsbetriebe beschrieben, die im neuen Schuljahr hoffentlich wieder zum Einsatz kommen dürfen.
Menschen mit einem problematischen Konsum von Suchtmitteln werden in der Regel im sozialen Gefüge auffällig. Doch es kostet Überwindung, als außenstehende Person hier jemanden konkret auf die Problematik anzusprechen. Die Suchtberatungsstellen bieten daher nicht nur Rat und Hilfe für Betroffene, sondern vor allem auch für Angehörige und weitere Kontaktpersonen an. Sie unterliegen der Schweigepflicht, beraten auf Wunsch auch anonym und sind auch in Zeiten der Corona- Pandemie erreichbar. Nähere Informationen sind auf der Internetseite www.suchthilfe-sha.de zu finden.
 
Info: Die Jugend- Sucht- Beratungsstelle des Landkreises Schwäbisch Hall berät junge Menschen bis 27 Jahre sowie deren Angehörige. Sie befindet sich seit 01.07.2020 in neuen Räumlichkeiten Am Säumarkt 2, Telefon 0791-7557920.In Crailsheim befindet sie sich in der Schillerstraße 8, Tel. 07951-295900. In Gaildorf hat sie ein Büro im Centrum Mensch, Kochstraße 19, Tel. 0791-7557920.
Die Psychosoziale Beratungsstelle der Diakonie ist an ihren Standorten Blaufelden, Gaildorf, Crailsheim und Schwäbisch Hall zuständig für Menschen ab 28 Jahren und Angehörige, Tel. 0791-94674213.
 

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Die Inhalte werden vom Landratsamt Schwäbisch Hall gepflegt. Bei Fragen oder Anregungen bitte an das Landratsamt Schwäbisch Hall wenden.

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