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Landkreis Schwäbisch Hall (Druckversion)

Landkreis Aktuell

Die Flatterulme ist Baum des Jahres 2019

[Artikel vom 27.02.2019]

Förster Robert Haufe misst zwei starke Flatterulmen mit 31 Metern Höhe und 0,6 Metern Durchmesser auf Brusthöhe. Foto: Landratsamt
Förster Robert Haufe misst zwei starke Flatterulmen mit 31 Metern Höhe und 0,6 Metern Durchmesser auf Brusthöhe. Foto: Landratsamt

Mit der Flatterulme (Ulmus laevis Pall.) hat die „Baum des Jahres“-Stiftung im November in Berlin den mittlerweile 31. Jahresbaum gekürt. Er löst die Esskastanie (Castanea sativa Mill.) als Vorjahresbaum ab. Die Stiftung möchte mit der Ausrufung des Baums des Jahres eine Baumart in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Damit will sie dazu beitragen, dass diese Art erhalten wird und nach Möglichkeit auch wieder eine größere Verbreitung erfährt.


Fossile Teile der Baumgattung Ulme sind schon für das Erdzeitalter Tertiär nachgewiesen (65 bis 2,5 Mio. Jahre zurück). Zum Ende der letzten Eiszeit waren alle Ulmen aus Mitteleuropa verschwunden, sie wanderten aber vermutlich in der Zeit von vor 7.000 bis 4.000 Jahren wieder aus ihren Rückzugsgebieten in Südosteuropa ein. Weltweit existieren rund 50 verschiedene Ulmenarten. Ihr Areal ist auf die gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel von Ostasien bis nach Nordamerika beschränkt. In Europa kommen vier Arten vor: die auch in den Hanglagen von Kocher, Jagst und Bühler beheimatete Bergulme, die Feldulme, die Englische Ulme und die Flatterulme.


Heute besiedelt die Flatterulme ein Areal, das von der Mitte Frankreichs bis zum Ural und von Nordgriechenland bis zum Baltikum reicht. Ein isoliertes Vorkommen beschränkt sich auf die Pyrenäen. In Osteuropa ist sie häufiger vertreten als zum Beispiel in Deutschland, wo sie nahezu aus-schließlich ein Baum der Flussauen im Tiefland ist. Im Bundesgebiet beschränkt sich der Verbreitungsschwerpunkt weitestgehend auf den Nordosten, insbesondere auf die Bundesländer Thüringen, Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. In Baden-Württemberg finden sich Flatterulmenvorkommen in den wärmebegünstigten Lagen der Rheinebene und vereinzelt entlang des Neckarufers zwischen Reutlingen und Heidelberg. Das Farn- und Blütenpflanzenkataster Baden-Württemberg führt im südöstlichen Bereich des Landkreises Schwäbisch Hall Einzelvorkommen der Flatterulme auf. Und auch in den Staatswaldungen innerhalb der Landkreisgrenze sind einzelne Exemplare bekannt. Es ist aber durchaus möglich, dass bislang von der Öffentlichkeit unbemerkt einzelne Exemplare in Gärten oder Parks wachsen und diese als solche nicht erkannt oder mit den anderen Ulmenarten verwechselt wurden.


Die Flatterulme kann ein stattlicher Baum von 35 Metern Höhe mit breiter Krone und starken Wurzelanläufen („Brettwurzeln“) werden. Alte Bäume bilden am Stamm oft große Knollen mit weiteren Trieben aus. Bereits ab März vor dem Laubaustrieb beginnt die Blüte. Die stark überhängenden bis vier Zentimeter langen Blüten- und Früchtebüschel, die oft auffällig im Wind flattern, haben dem Baum seinen Namen gegeben. Die Samen liegen nach der Fruchtreife in ovalen pergamentartigen Häutchen. Sie sind bewimpert, das heißt mit vielen kleinen Härchen versehen, und werden vom Wind und von Fließgewässern verbreitet. Die Blätter der Flatterulme können auf den ersten Blick als Ulmenblätter ausgemacht werden. Sie haben die für alle Ulmen typische unsymmetrische Blattbasis. Der Blattrand ist doppelt gesägt und das Blatt hat im Gegensatz zu dem der Bergulme immer nur eine Spitze. Die Blätter verfärben sich im Oktober gelb und fallen Anfang November vom Baum. Flatterulmen werden mit rund 250 Jahren nicht so alt wie Berg- und Feldulmen. Als Bäume der Ebene sind sie nicht oberhalb einer Meereshöhe von 500 Metern anzutreffen.


Das Holz der Flatterulme ist recht zäh, es reißt leicht und es lässt sich nur schwer spalten. Wegen dieser Zähigkeit war es aber für die Herstellung von Gerätschaften mit hoher mechanischer Beanspruchung wie Werkzeugstiele, Glockentürme, Karren, Räder und Mühlen sehr gefragt. Im Vergleich zum Holz der Berg- und Feldulmen ist das der Flatterulme farblich nicht so kontrastreich. Der äußere Holzbereich, der oft zwei Drittel des Querschnittes ausmacht, ist gelblichweiß und grenzt sich nur schwach zu dem hellgrauen Kernholz ab. Daher ist es beispielsweise unter Möbelherstellern nur wenig geschätzt. 


Während Berg- und Feldulme so stark unter der so genannten Holländischen Ulmenkrankheit (Pilzerkrankung) gelitten haben, dass kaum mehr ein wirklich alter Baum dieser Arten in unseren Wäldern anzutreffen ist, scheint die Flatterulme am besten mit dieser Gefährdung zurechtzukommen. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde über den weltweiten Holzhandel ein Schlauchpilz eingeführt, der nach der Infektion die Wasserleitbahnen der Ulmen verstopft und sie so zum Absterben bringt. Die den Pilz verbreitenden Ulmen-Splintkäfer haben aber keine hohe Affinität zu Flatterulmen, so dass diese von der Krankheit nicht stark betroffen sind.


Die Flatterulme gehört wohl zu den Baumarten, die am meisten unter der Landschaftsveränderung durch den Menschen zu leiden hatten: Flüsse wurden begradigt, Feuchtstandorte trockengelegt und viele Auewälder wurden forstlich intensiv bewirtschaftet. Da das Holz der Flatterulme nicht so sehr geschätzt wird wie das der Bergulme, die Flatterulme zudem auch noch ein eher konkurrenz-schwacher Baum ist, ist sie von einem Großteil ihres angestammten Wuchsgebiets verschwunden. Die ursprünglichen Standorte der Flatterulme, nämlich die Kontaktbereiche zu größeren Flüssen im Tiefland mit ihren saisonalen Schwankungen des Wasserstands, sind die immer seltener gewordenen Aue- und Bruchwälder. Sie sind als besonderer Lebensraumtyp in das Europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 aufgenommen worden. Die Larven des seltenen und besonders geschützten Ulmen-Zipfelfalters ernähren sich ausschließlich von Blüten und Blättern der Ulmen. Ohne Ulmen würde auch dieser Schmetterling verschwinden.

Solange die Bergulme und die Feldulme noch stark von der Holländischen Ulmenkrankheit betroffen sind, bietet sich mit der Verbreitung der Flatterulme die Chance, dass sich viele speziell an Ulmen angepasste Insekten, Spinnen und Pilze wieder besser entwickeln können. Flatterulmen kommen dabei durchaus für die Bepflanzung im innerstädtischen Bereich oder in Parks in Betracht. Sie könnte aber auch zu einer Stabilisierung von Auewäldern beitragen, denn die heimischen Erlen und Eschen leiden seit längerem auch unter Pilzinfektionen.

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