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Landkreis Schwäbisch Hall (Druckversion)

Landkreis Aktuell

Einladung zum Geschichtsforum des Landkreises Schwäbisch Hall am 26. April 2019

[Artikel vom 09.04.2019]

Bewegt durch die Vergangenheit

Am Freitag, 26. April 2019, findet um 14 Uhr das Geschichtsforum des Landkreises in Blaufelden statt.

Daniel Stihler vom Stadtarchiv Schwäbisch Hall berichtet über den Siegeszug des Automobils in Stadt und Region Schwäbisch Hall bis in die 1930er Jahre: „Der technische Fortschritt kündigt sich in Form eines knatternden, rasenden Ungeheuers an…“ In diesem Vortrag werden die grundlegenden Veränderungen nachgezeichnet, die die Motorisierung unserer Region mit sich gebracht hatten.

Die bereits vor dem Ersten Weltkrieg beginnende Einführung des Automobils in der Region begann schleichend, brachte aber grundlegende Änderungen mit sich, die in diesem Vortrag nachgezeichnet werden sollen. Pioniere der Motorisierung waren die bislang auf Postkutschen angewiesenen Gemeinden des Mainhardter Walds. Die 1907 gegründete Motorbuslinie Mainhardt-Willsbach gehörte zu den frühesten ihrer Art in Deutschland. Waren Autos und LKWs in den 1910er Jahren noch Exoten, entwickelten sie sich in der Zeit der Weimarer Republik rasch zum dominierenden Verkehrsmittel. Da das Straßennetz auf tierbespannte Fuhrwerke ausgerichtet war, erzwang diese Entwicklung hohe Investitionen in Straßenbau und -instandhaltung. Neue Regeln mussten gefunden und durchgesetzt werden, und der heutige „Dauerbrenner“ Parken bereitete schon damals Kopfzerbrechen. Findige Pioniere mit ganz unterschiedlichen Hintergründen erkannten die Erwerbsmöglichkeiten, die sich aus der neuen Technik ergaben. So entstand rund um das Automobil in wenigen Jahren eine breite Palette an gewerblichen Angeboten verschiedenster Art. Schwerpunkt der Darstellung werden Schwäbisch Hall als regionales Zentrum und Mainhardt als Beispiel für eine Landgemeinde sein.

Uwe Siedentop, Eisenbahnhistoriker und Verleger, aus Heidenheim spricht über 150 Jahre Tauberbahn Crailsheim – Bad Mergentheim.

Am 23. Oktober 1869 wurde die Bahnstrecke Crailsheim – Mergentheim in Betrieb genommen. Ab diesem Tag – also vor 150 Jahren – konnte die Eisenbahnstrecke erstmals vollständig von Wertheim bis Crailsheim befahren werden.
Aus diesem Anlass wird der Verleger und Eisenbahnhistoriker einen Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der sogenannten „Tauberbahn“ werfen. Vor 150 Jahren konnte eine für die Region wichtige Verbesserung des damals von Pferden und ihrer Leistungsfähigkeit abhängigen Verkehrssystems in Betrieb genommen werden: Die Eisenbahn. Bereits lange vor den Bau der Eisenbahn hatte die Württembergische Staatsregierung Überlegungen angestellt, die ab 1806 neu hinzugewonnenen Landesteile wie die Hohenlohe Ebene oder Oberschwaben verkehrlich besser erreichbar zu machen. Neben dem Bau neuer und besserer Straßen wurden auch Überlegungen angestellt, die größeren Flüsse wie Neckar und Donau durch Kanäle zu verbinden.

Waren die Kanäle in ihrer Realisierung zu teuer, so ergab sich durch die Entwicklung der Eisenbahn eine neue, bessere Alternative. Es entstand ab 1845 ein Schienennetz, das fast unverändert — nur in technischen Details wie Stellwerk- und Signalwesen — bis heute seine Dienste verrichtet.
In diesem Schienennetz erscheint die Tauberbahn recht früh in der Planung: 1856 wurde sie vom Heilbronner Stadtrat, der Handelskammer und des Handlungsvorstandes von Heilbronn in einer Denkschrift vorgeschlagen. Allein die Verhandlungen mit Baden und der preußisch-österreichische Krieg 1866 verzögerten den Beginn der Bauarbeiten so dass sie erst im dritten „Gesetz, betreffende den Ausbau der Eisenbahnen“ vom 16. März 1868 für den Bau angewiesen werden konnte.

Als Hindernis stellte sich beim Bau der Strecke lediglich der Abstieg von der Hohenloher Ebene ins Breitachtal dar: Letztendlich konnte mit einer Steigung von 1:70 der Höhenunterschied überwunden werden. Mit dem Ersten Weltkrieg wechselten die gesamten Rahmenbedingungen: Der Ausbau des Eisenbahnnetzes wurde abrupt beendet, Reparationsabgaben schwächten die Bahn und der König legte alle seine Ämter nieder. Mit dem Abdanken des Königs wurden die einst von den Ländern Baden, Württemberg, Bayern u. a. betriebenen Eisenbahnen an das Deutsche Reich abgegeben.

Bis zum Zweiten Weltkrieg änderte sich an der Tauberbahn wenig. Lediglich die Brücken und die Gleisanlagen wurden an die neuen Erfordernisse der schwereren Güterwagen und stärkeren Lokomotiven angepasst. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges brachten — wie an vielen Stellen des Landes — die Angriffe der Alliierten Tod und Zerstörung auf die Strecke: Immer dichter wurden die Angriffe durch Jagdbomber, immer mehr wurden die Bahnanlagen zerstört. Waren die Bahnanlagen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges weitestgehend unbrauchbar, machte sich schon sehr bald die Konkurrenz des Kraftfahrzeuges bemerkbar. Musste die Bahn durch Umbau älterer Personenwagen sich quasi selbst erneuern, wanderten die Reisenden in die immer moderner werden Pkws und Busse ab.

Die Abwanderung der Reisenden und Güter verursachte dann das bereits in den 1950er Jahre beginnende Streckensterben, das auch die Tauberbahn betreffen sollte. Konnte die Streckenstillegung der Tauberbahn und für einige weitere Linien verhindert werden, erfolgte mit der Wiedervereinigung der Deutschen Reichsbahn und der Deutschen Bundesbahn zur Deutschen Bahn AG 1994 ein drastischer Einschnitt in das Bestehen der Deutschen Eisenbahn: Sie wurde ein Privatunternehmen. Die Privatisierung zeigte dann auch seine Wirkung: Alles, was möglich war, wurde nach betriebswirtschaftlichen Kriterien beurteilt und in Frage gestellt. So wurden alle Weichen und Gleise, die nicht regelmäßig genutzt werden, ausgebaut, Vorratshaltung für außerordentliche Bedürfnisse abgebaut. Als positiven Effekt dieser Änderungen kam nach 74 Jahren Zuständigkeit des Bundes der Nahverkehr wieder an die Länder zurück. Allerdings zeigte die damalige Landesregierung wenig Interesse an unserer Eisenbahn. Erst mit einem Wechsel der Landesregierung 2012 wurde der große Verkehrsvertrag mit der DB Regio beendet und das Eisenbahnnetz nach europäischen Vorgaben ausgeschrieben. Nach diesen europäischen Vorgaben wurde das württembergische Eisenbahnnetz in verschiedene Netze unterteilt. Die Tauberbahn kam dabei als Kernstück in das Netz 11 — Hohenlohe–Franken–Untermain — und mit einem Vertrag vom 24. August 2017 wird die DB Regio AG „Werstfrankenbahn“ das Netz 11 ab Dezember 2019 mit Fahrzeugen der Baureihe 642 (Desiro) übernehmen. Im Anschluss an die Vorträge wird eine Führung durch das 2011 eröffnete Eisenbahn- und Dampfmodell-Museum e.V. Blaufelden angeboten. Hier finden sich bis ins feinste Detail nachgebaute Modelle historischer Lokomotiven, Waggons, Dreschmaschinen, Arbeitsmaschinen, Dampfmaschinen etc.

Veranstaltungsort:
Spektrum (Bürgerzentrum) Blaufelden
Schulstraße 34
74572 Blaufelden

Anmeldungen erbeten unter:
Landratsamt Schwäbisch Hall
Kreisarchiv
Münzstraße 1
74523 Schwäbisch Hall
Tel.: 0791 755 - 7398
Fax: 0791 755 - 7362
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