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Landkreis Schwäbisch Hall (Druckversion)

Landkreis Aktuell

Das Forstamt informiert über den Eichenprozessionsspinner

[Artikel vom 01.07.2019]

Einige Eichen an Spiel- und Rastplätzen im Landkreis Schwäbisch Hall sind auch dieses Jahr wieder vom Eichenprozessionsspinner befallen. Es wird gebeten Warnschilder, die an Orten mit besonders hohem Besucherverkehr aufgestellt sind, zu beachten.

Das Landratsamt Schwäbisch Hall informiert über den Eichenprozessionsspinner und gibt zugleich Tipps, um eine gesundheitliche Beeinträchtigung zu vermeiden. Revierleiter Jörg Brucklacher, zuständig für das Forstrevier Limpurger Berge, berichtet von seinen jahrzehntelangen Erfahrungen im Umgang mit der Larve.

Was führt zu den gefürchteten Problemen mit den Prozessionsspinnerraupen?

Die Larven des Eichenprozessionsspinners tragen sogenannte Brennhaare, die leicht abbrechen und in der Haut stecken bleiben können. Dort führen sie zu Ausschlägen und teilweise heftigem Juckreiz, die z. B. mit Insektenstichcreme behandelt werden können. In den hohlen Haaren befinden sich außerdem giftige Ausscheidungsprodukte der Raupe, die sie dort sozusagen zwischenlagert. Durch dieses Thaumetopoein verstärken sich die Reizungen, gelegentlich kommen auch stärkere allergische Reaktionen vor, die einen Arztbesuch nötig machen. Hierfür braucht es jedoch einen massiven Kontakt oder aber eine besondere persönliche Empfänglichkeit.

Die Larven halten sich tagsüber in den bekannten Raupennestern auf - bis zu fußballgroßen Gespinsten am Stamm oder starken Ästen - und wandern jede Nacht in einer langen Prozession in die Eichenkrone, um an den Blättern zu fressen. Morgens kehren sie zurück in den Schutz des Nestgebildes. In diesem Nest häuten sie sich im Laufe ihrer Entwicklung auch mehrfach und stoßen dabei jeweils eine leere Hülle ab, die die betreffenden Haare trägt. Ende Juni sind die Raupen mit ihrer Entwicklung nahezu fertig und verpuppen sich bald, die Falter schlüpfen Ende Juli. Lebende Raupen werden dann nicht mehr anzutreffen sein, die Raupennester bleiben aber mit den enthaltenen Häutungsresten auch darüber hinaus „infektiös", bei trockener Lage teilweise sogar einige Jahre lang. Diese Gespinstballen sollten daher nicht berührt oder manipuliert werden, insbesondere, wenn sie zu Boden gefallen sind.

Werden die Bäume durch den Fraß nicht geschädigt, und warum werden die Raupennester dann nicht entfernt?

Anders als die Nester am Stamm sind die Nester im oberen Kronenbereich nicht immer gut erkennbar, vor allem aber sind sie selbst mit Hebebühnen nicht alle sicher erreichbar. Der Aufwand ist aufgrund des sowieso zu erwartenden Neubefalls im nächsten Jahr unverhältnismäßig hoch und erfordert zusätzlich eine Spezialausrüstung. Die Bäume erholen sich mittels des sogenannten Johannistriebes im Juni auch von einem Kahlfraß recht schnell, da anders als beim gefürchteten Fichten-Borkenkäfer nur eine Generation im Jahr gebildet wird. An besonders schwierigen Stellen, die von der Bevölkerung nicht gemieden werden können und wo gleichzeitig das Nest relativ gut erreichbar ist, kann eine fachgerechte Entfernung sinnvoll sein.


Warum ist der Eichenprozessionsspinner in den letzten Jahren so zum Problem geworden?

Wahrscheinlich im Zuge der Klimaveränderung. Die Vorkommensareale wärmeliebender Arten verschieben sich, so kommt es, dass der Eichenprozessionsspinner nun auch eigentlich kühlere Lagen relativ gut besiedeln kann. Es gibt darüber hinaus wiederkehrende Jahre mit einer Massenvermehrung, denen Jahre mit geringerer Population folgen. In diesen fällt der Befall dann fast keinem auf. Verantwortlich für die Schwankungen sind Witterungsbedingungen und natürliche Feinde (Kuckuck, Schlupfwespen, …). Aktuell ist der Eichenprozessionsspinner auch ein öffentliches Thema und wird daher verstärkt wahrgenommen. Die letzte starke Massenvermehrung war 2007, damals in einer noch größeren Ausprägung als in diesem Jahr.


Wie groß ist das Risiko, und wäre es nicht besser, die Eichen alle zu fällen?

„Wenn man keine Raupe in den Kragen bekommt und nicht an den Nestern rumspielt, sollte das Risiko kalkulierbar bleiben", meint Revierleiter Brucklacher. Die nur 0,2 mm langen Brennhaare können zwar auch mit dem Wind verweht werden, aber in Jahren mit normalem Befall dürfte das kein merkliches Problem darstellen. Das größte Risiko besteht sicherlich für Waldarbeiter, Brennholznutzer wie auch für Menschen, die häufig in der Natur unterwegs sind oder ein Grundstück nah am Waldrand besitzen. Wenn sie wissentlich - im schlimmsten Fall unwissentlich - in ein Raupennest hineinsägen oder hineinfassen, kann das in der Tat üble Folgen haben. Dann muss dringend ein Arzt aufgesucht werden.

Von einer Bekämpfung am Boden liegender Nester mittels Rasenmäher oder dem eigenständigen Abflammen ist abzuraten. Denn dabei werden die Haare meist stark aufgewirbelt und verteilt; Personen, die zum Zeitpunkt der Vernebelung am Geschehen unmittelbar dran sind, bekommen somit viele Brennhaare direkt ab. Weiter wurden beim Abflammen auch schon mehrfach Wald- oder Flächenbrände ausgelöst oder im weniger schlimmen Fall die Rinde der Eiche so sehr erhitzt, dass Baumteile abstarben. Vom zu Boden bringen höhergelegener Nester ist ebenfalls abzuraten. Denn die Nester fallen gerne unkontrolliert herunter -  gegebenenfalls auf die Leiter und zerstäuben im schlechtesten Fall direkt in die Arme.

„Wenn Sie Abstand zu den Nestern halten und dafür sorgen, dass Kinder und Hunde das auch beachten, ist das größte Risiko schon beseitigt“, rät Revierleiter Brucklacher deshalb.

Wie gehen Sie als Förster persönlich mit dieser Gefahr im Wald um?

„Ich bin jetzt 20 Jahre im Außendienst tätig und hatte selbst noch nie ein Problem mit dem Phänomen. Obwohl ich schon zahlreiche befallene Bäume auch aus der Nähe begutachtet habe und viel im Wald unterwegs bin. Wir sollten bedenken, dass wir Menschen nicht unantastbar sind, sondern uns als Teil der Natur auch in gewissem Maße zumutbaren Einschränkungen unterordnen müssen. Wem die Gefahr zu groß erscheint, der muss halt Abstand halten. Eine Fällung aller Eichen im Siedlungsbereich, an allen Spielplätzen oder Ruhebänken käme für mich keinesfalls in Frage und wäre ein Armutszeugnis in ökologischer und landschaftlicher Sicht. Wer will schon seine Ruhebank mitten auf der kahlen Wiese aufstellen?", bekräftigt Revierleiter Brucklacher.

 

Zur Information: Pfaffenhütchengespinstmotte ist harmlos
Die mancherorts auffallenden, komplett eingesponnenen Büsche am Straßenrand haben mit dem Eichenprozessionsspinner übrigens gar nichts zu tun. Hier war die Pfaffenhütchengespinstmotte am Werk. Diese Motte befällt nur das Pfaffenhütchen und hatte dieses Jahr eine relativ starke Population. Den vollständigen Kahlfraß haben die Bäume inzwischen durch besagten Johannistrieb wieder vollkommen ausgeglichen, die Bäume sind wieder grün. Die Raupe ist ein harmloser Nackedei und samt Gespinst völlig ungefährlich. „Da können Sie sich reinlegen", meint Brucklacher lakonisch.

Hinweis

Die Inhalte werden vom Landratsamt Schwäbisch Hall gepflegt. Bei Fragen oder Anregungen bitte an das Landratsamt Schwäbisch Hall wenden.

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