Landkreis Schwäbisch Hall

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Geborgenheit durch klare Struktur - Kinderbetreuung Zuhause in Zeiten der Corona-Pandemie

[Artikel vom 01.04.2020]

Was sich für das ein oder andere Kind in den ersten Tagen wie unerwartete Ferien angefühlt haben mag, wird nach 14 Tagen plus zur Herausforderung. Langsam schleicht sich die Tatsache ins Bewusstsein, dass etwas anders ist: Die Eltern haben vielleicht Angst, die Großeltern spricht man nur noch über den Bildschirm und mit einem Gleichaltrigen hat man bereits eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gespielt. Die besondere Situation verunsichert Kinder und Jugendliche genauso wie Erwachsene. Das stabile Gerüst des Alltags mit den täglichen Fixpunkt Kindergarten, Schule und Arbeit sind nicht mehr aktiv und geben daher auch keine Sicherheit mehr.
Doch gerade Kinder brauchen einen Alltag mit festem Rhythmus und klarer Struktur, um sich geborgen zu fühlen. Eltern müssen deshalb für Ihre Kinder neue Orientierung im Alltag schaffen.
Das Jugendamt im Landratsamt Schwäbisch Hall gibt dafür folgende Tipps:

  • Tagesstruktur: Planen Sie den Tag oder die Woche gemeinsam mit Ihrem Kind: Zusammen Aufstehen und gemeinsame Mahlzeiten können eine zeitliche Schichtung vorgeben. So stabilisierend ein fester Tagesablauf ist, sollte es dennoch Raum für Spontanität geben. Sowohl gemeinsame Zeiten, als auch „Allein-Zeiten“ sind einzuplanen. Eltern müssen ihre Kinder nicht ständig „be-spaßen“, sondern müssen auch mal „durchschnaufen“ können. Umso schöner kann es dann sein, nach Auszeiten wieder in den vertrauten Rahmen zurückzukehren.
  • Beschäftigung: Nutzen Sie Aufgaben der Schulen und Kindertageseinrichtungen zum Beispiel am Vormittag: Viele Kindergärten versenden aktuell eine Kindergartenpost, in Form von Ausmalbildern oder Bastelanleitungen, die eine willkommene Abwechslung zum Spielmaterial zu Hause sein können. Auch die Schulen haben vorgesorgt und „Hausaufgaben“ zum Lösen für zu Hause vorbereitet.  Achten Sie dabei auch auf angemessene Pausen. Sie müssen die Lehrkräfte und die Schule nicht ersetzen. Bieten Sie Ihren Kindern außerhalb von „Lernzeiten“ eine sinnvolle Beschäftigung, Raum zum Spielen und Spielanregungen. Auch während der derzeitigen Ausgangsbeschränkung dürfen Familien sich in ihrem Garten aufhalten oder kurze Spaziergänge unternehmen. Sollten Sie anderen Personen begegnen ist ein Abstand von zwei Metern einzuhalten. Zwischendurch kann ein Highlight helfen, um bei Kindern und Eltern für Abwechslung sorgen. Es mag aktuell schwierig sein eine Besonderheit einzubauen, doch manchmal sind es nur kleine Veränderungen des Gewöhnlichen, die ein Highlight ausmachen. z.B. kann man mal an einem ungewohnten Ort in der Wohnung ein Picknick machen oder öffnen Sie eine längst vergessene Kiste auf dem Speicher.
  • Mediennutzung: Das Internet bietet Eltern eine Fülle von Spiel- und Bewegungsideen für zu Hause. Ergänzend dazu gibt es viele pädagogisch wertvolle Apps und Onlinespielmöglichkeiten, mit denen sich Kinder und Jugendliche eine Zeit lang beschäftigen können. Es ist verständlich, dass Eltern sich sorgen, wenn Kinder und Jugendliche nun mehr Zeit am Smartphone, Fernseher oder Computer verbringen. Es bietet sich daher an Bildschirmzeiten festzulegen, um dieses Streitthema in der Familie zu vermeiden. Zeiten ohne digitale Medien bleiben wichtig. Die Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung können Eltern als Orientierung dienen. Noch wichtiger ist es genau hinzuschauen, was das Kind am Bildschirm macht.
    Das Jugendamt im Landratsamt Schwäbisch Hall verweist hier auch auf den Familien-Medien-Kalender, Sonderausgabe 2020 der Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Baden-Württemberg. Grundsätzlich sollten Kinder und Jugendliche Zugang zu altersgerechten Nachrichten erhalten. Aktuelle Meldungen können als Anlass für ein erklärendes Gespräch genutzt werden.

„Auch ich habe zwei Jungs, die jetzt auf viele Aktivitäten verzichten müssen“, so Landrat Gerhard Bauer. „Jedes Kind und jeder Jugendliche reagiert anders auf belastende Situationen. Da geht es natürlich auch nicht immer friedlich zu. Nehmen Sie sich jetzt besonders viel Zeit für Ihre Kinder. Gemeinsam ist es leichter.“

Anlaufstellen und Kontakte:
Wenn Familien nicht mehr weiter wissen und bevor die Situation eskaliert, können sie sich an die Beratungsstellen oder an den allgemeinen Sozialen Dienst wenden.
Die sozialpädagogischen Fachkräfte der ambulanten Hilfen zur Erziehung, die über das Jugendamt vermittelt wurden halten regelmäßig telefonisch Kontakt zu den jungen Menschen und ihren Eltern.

In akuten Krisen ist der Allgemeine Soziale Dienst telefonisch erreichbar unter:
Tel.: 0791 755 7279
Tel.: 07951 492 5145

Für Jugendliche oder Eltern, die nicht gerne telefonieren oder eine anonyme Beratung vorziehen, ist die bke-Onlineberatung die richtige Adresse. Auf der Webseite www.bkeberatung.de wird in Kooperation mit den Bundesländern sowie den kommunalen und freien Trägern der Jugendhilfe ein individuelles, kostenfreies und qualifiziertes Online-Beratungsangebot vorgehalten.

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