Landkreis Schwäbisch Hall

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Können Umgangskontakte mit dem getrennt lebenden Elternteil während der Corona-Pandemie stattfinden?

[Artikel vom 02.04.2020]

Steht der umgangsberechtigte Elternteil oder das Kind selbst unter vom Gesundheitsamt angeordneter häuslicher Quarantäne, scheidet ein Umgangskontakt grundsätzlich aus. Denn Personen, die unter häuslicher Quarantäne stehen, dürfen das Haus nicht verlassen. Dies gilt auch, wenn der Umgang gerichtlich angeordnet ist bzw. eine elterliche Umgangsvereinbarung gerichtlich gebilligt wurde. Alternative Kontakte – per Telefon, Skype etc. - sind aber natürlich möglich.
Begeben sich der Umgangselternteil oder das Kind und der betreuende Elternteil in freiwillige Quarantäne, sollte zwischen den Beteiligten möglichst einvernehmlich abgestimmt werden, welche Auswirkungen die freiwillige Quarantäne auf die Umgangskontakte hat.
Nicht gerechtfertigt ist ein Aussetzen der Umgangskontakte, wenn die Coronasituation nur vorgeschoben wird, um die ohnehin nicht gewünschten Umgangskontakte zu vermeiden.

„Die Verordnungen und Allgemeinverfügungen der Länder stehen einer Wahrnehmung der Umgangskontakte nicht entgegen“, erklärt Landrat Gerhard Bauer. „Angesichts der Bedeutung von Umgangskontakten für die Eltern-Kind-Beziehung sind diese grundsätzlich zum absolut nötigen Kontaktminimum zu zählen“.

Anders verhält es sich beim Wechselmodell: Wird ein Kind, das paritätisch von seinen Eltern betreut wird, vom Gesundheitsamt unter häusliche Quarantäne gestellt, wird ein Wechsel zwischen zwei Haushalten ausgeschlossen. Es entspricht dem Schutzzweck des § 30 IfSG, nämlich Kontakte weitestgehend zu vermeiden, den Begriff der häuslichen Quarantäne möglichst eng zu fassen. Da die Quarantäne üblicherweise 14 Tage nicht überschreitet, erscheint die Dauer des Aussetzens der Wechsel – der ja nicht länger als eine Sommerferienreise ist - auch zumutbar.
Im Falle freiwilliger Quarantäne kann ein Aussetzen des Wechselmodels grundsätzlich nur im Einvernehmen mit dem anderen Elternteil stattfinden. Eltern, die ihre Kinder im Wechselmodell betreuen, sind in der Regel gemeinsam sorgeberechtigt, sie müssen in Fragen des Betreuungsmodells bzw. des Aufenthalts daher einvernehmliche Lösungen finden und dürfen nicht einseitig vom vereinbarten Modell abweichen.

„Das Verlassen der Wohnung zur Übergabe an den anderen Elternteil ist zulässig, jedoch kann es aus Gründen des vorbeugenden Infektionsschutzes im Sinne aller Beteiligten sein, von einem Umgangsrecht vorübergehend abzusehen“, ergänzt Thomas Haag, Dezernent für Jugend und Soziales im Landratsamt Schwäbisch Hall abschließend.

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